Dienstag, 6. Mai 2014

Vom Leben auf Inseln / 1

Mit dem Schulbus oder zu Fuß zur Fähre, vom Hafenort am Mainland mit dem Bus zur nächsten Stadt und am Nachmittag wieder zurück. So sieht der Schulweg für manche jungen Menschen aus, für diejenigen nämlich, deren Eltern es nicht aufgegeben haben auf einer kleinen Insel unweit des Festlandes zu wohnen. Bei unseren Überfahrten während der Inselwanderwoche war der Himmel gnädig, es regnete praktisch nie. Ich stelle mir vor, wie es sich anfühlen muss, wenn starker Regen und Wind die kleinen Fährschiffe (ohne Autotransport) begleiten und bei Ebbe das Aussteigen über glitschige Stufen an der hohen Kaimauer entlang Vorsicht einmahnt. 
Ein Vergleich mit dem städtischen Leben bei uns drängt sich auf. Hier werden viele Kinder im Auto von der Haustüre bis zur Schule chauffiert und wieder abgeholt oder müssen sich schlimmstenfalls in den Schulbus drängen und bis dahin ein paar Schritte selbst gehen.



Drüben auf Cape Clear vor Baltimore im Süden Irlands feiern Kinder den Sommer. Schließlich scheint die Sonne, es ist windstill und die Lufttemperatur beträgt fast 15°. Wie oft habe ich solche Szenen beobachtet, selbst eingepackt in dicke Jacken, kann ich mir den Spaß an einem Bad im Meer nicht vorstellen. Mit den Elementen auf so direkte Weise leben zu lernen, macht auf eine Art stark. Man spürt es in den Begegnungen mit den Menschen hier. Vielleicht macht es auch gelassen, etwas, das mir immer wieder auffällt, wenn wir Touristen etwas ansprechen, das wir als Problem oder Herausforderung sehen würden, allen Themen voran das Wetter!






Die Mutter trifft Vorbereitungen für die Sommersaison, Boote werden herbeigeschafft, die Jugendherberge liegt direkt in dieser wunderschönen nach Süden ausgerichteten Bucht. Die Oma sitzt an der Kaimauer, weit weg, aber sie hat den Buben im Blick. Von dieser Szene gibt es einige Fotos, ich konnte es einfach nicht glauben! Der Knirps, maximal drei Jahre alt klettert alleine auf den Felsen herum, die steiler und kantiger sind, als sie auf den Bildern erscheinen. Er ist vorsichtig, verhält sich umsichtig und hat dabei sichtlich Spaß!





Welch ein Gegensatz zum Leben in der Stadt, wo Kinder in Zimmern groß werden, weil es ja auf der Straße zu gefährlich sein könnte. Mit Joystick und Fernbedienung in der Hand. 

Zwei Fotos aus Casablanca passen hier thematisch dazu. Kinder spielen Fußball, mitten auf der Straße und benützen einen Kleintransporter für die U-Bootfahrt nach Hause. Was hier niemanden aufregt. Alte, Junge und arbeitende Menschen teilen sich den öffentlichen Raum und leben ganz selbstverständlich miteinander.

Aus der Sicht eines in einem "reichen" Land lebenden Menschen haben es unsere Kinder besser. Haben sie das wirklich? Ich bin mir da nicht immer so sicher.





Wieder zurück auf Cape Clear ist da noch Sheamus, schon lange kein Kind mehr, aber beseelt von der Liebe zu seiner Insel und dem Leben dort. Davon ein anderes Mal hier auf *kleine freude*.


Hier gibts Infos zum wandern auf irischen Inseln.


      



Kommentare:

  1. Wieder mal ein sehr schöner Bericht, liebe Elisabeth! Ich denke, dass so Widrigkeiten bestimmt nicht immer schön sind, aber doch gelassener machen und letztendlich einfach spannender sind. Kinder brauchen nicht viel um glücklich zu sein. Ausserdem werden sie gezwungen kreativ zu sein :) Aber den Kleinen hätte ich nie alleine so Klettern lassen.....Lieben Gruss!

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  2. gut beobachtet liebe Elisabeth, wo ist das Kind glücklicher, ich denke Mal an dem Ort wo es mehr freiheit geniesst sich weiter zu entwickeln in seinen Wesen und Kinder brauchen diese Art wie du es zeigst hier! Die Ängste sind viel zu gross von uns Deutschen mit unseren Kindern, oft überträgt sich das aufs Erwachsene leben.. kein Risikobereitschaft, eher Ängste und auf einen Platz zu bleiben Gefahrlos leben ich kenne viele solche!
    Schon auf den Halligen und Inseln sind die Kinder anders...
    Sehr schöne Eindrücke vom Leben dort!
    Lieben Gruss Elke

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  3. Jetzt hab ich wieder Fernweh nach der Insel ....
    Danke für den tollen Bericht und die traumhaften Bilder!
    Ich wünsch Dir noch einen schönen und gemütlichen Abend!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  4. Sie haben es nicht besser bei uns, manchmal denke ich: Im Gegenteil. Das Leben mit der Natur hat viel zu bieten. Es ist nicht wichtig,Markenjeans und ein IPAD zu haben, gar nicht. Sich auf wenig zu konzentrieren, ist für mich viel mehr.

    Sigrun

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  5. Ein schöner Bericht, liebe Elisabeth. Was das Bad im Meer angeht - an der Küste aufgewachsen, kann ich -und auch meine jetzt erwachsenen Kinder- mich kaum halten, wenn ich wieder dort bin. Raus aus den Klamotten und rein in die Fluten.
    Nicht nur Stadtkinder daddeln an ihren WLAN-Geräten. Auch bei uns im Dorf ist das so und man kann sich -als erziehende Großeltern- kaum dagegen wehren. Heute ist ein Elternabend wegen deses Suchtverhaltens anberaumt.
    Wunderschöne Fotos, Elisabeth, die auch mir zu denken geben. Die Kinder sammeln Erfahrungen im wahrsten Sinne des Wortes, die sie fürs weitere Leben stark machen.
    LG Heidi

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  6. hallo liebe elisabeth,
    hach -. wieder ein so toller und vor allem informativer bericht. direkt aus dem leben, finde ich!
    deine fotos sind wieder mal wunderschön.....
    alles liebe
    margit

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