Donnerstag, 4. August 2016

Einfache Genüsse

Erntezeit. Es hat dieses Jahr länger gedauert, aber jetzt setzt das große Reifen ein. Mein kleiner Gemüsegarten quillt über. Mit dem vielen Regen im Juni und Juli brachten es viele Früchte zu stattlicher Größe, das kann kein Gießwasser leisten, so viel man davon auch auszubringen gewillt ist. 
Mit zwei Gemüsearten habe ich dieses Jahr eine besonders große Freude. Bei den jungen Paprikapflanzen habe ich die ersten Blütenansätze herausgebrochen (nicht nur DIE erste, sondern weitere erste aus den Blattachseln, bis ich merkte, dass sich die Pflanzen stark verzweigt hatten), um zu testen, ob sie in der Folge mehr Blüten ansetzen würden und ja, das haben sie getan und tragen jetzt eine Menge Früchte.



Erstmals habe ich es mit Melanzani versucht, eine echte Überraschung. Da brauchte es eigentlich keine Pflege bis zur Ernte, alles ganz easy. Zuerst einmal die Blüten bewundert (das war die ganze Arbeit), sie sind wunderschön! Mit Anfang August beobachten und ein bisschen drücken, um herauszufinden, ob die Frucht schon reif ist, das war alles. Regen gab es ja in regelmäßigen Abständen, ein perfektes Jahr für faule Gärtner.




Das Fruchtfleisch gab auf leichtes Drücken etwas nach, aufgeschnitten sah es auch vielversprechend aus, sollte also auch geschmacklich klappen!



Tja, auf dem folgenden Foto kommt der Beweis, dass ich keine Foodbloggerin bin und sein kann. Wenn alles fertig ist, hab ich keinen Kopf mehr fürs fotografieren, ehrlich! Da denke ich nur mehr ans essen. Das Ergebnis sieht nicht sonderlich aus, aber der Geschmack der Melanzanischeiben entpuppte sich als eine echte Offenbarung. Ich habe noch nie so Gute gegessen. Das Fruchtfleisch zerschmolz förmlich im Mund und hatte sehr zart den bekannt charakteristischen Melanzanigeschmack. Keine Ahnung, womit das zu tun hatte, die Sorte (Rotonda bianca sfumata die rosa), der Erntezeitpunkt, Wetterbedingungen... 
Ich hatte Scheiben von etwas weniger als einem Zentimeter geschnitten, etwa eine Stunde mit Salz bestreut Wasser ziehen lassen, dann abgetrocknet und leicht in Mehl gewälzt, gesalzen, gepfeffert und dann in der Pfanne in etwas Öl gebacken. Pur ohne Raffinesse, aber frisch aus dem Garten, einfach unvergleichlich gut.



Seit Jahren beziehe ich meine Gemüsepflanzen von der Arche Noah, einem Verein, der sich der Vermehrung von alten und seltenen Gemüsesorten verschrieben hat. Die gelbe Tomate "Valentia" mag ich besonders. Sie ist mild (wie alle gelben Sorten) und hat ein festes Fleisch. Hier nur leicht mit Olivenöl und Zitronensaft mariniert. Basilikumblättchen dazu und etwas Salz, fertig.




So mag ich die Fisolen (gelben Bohnen) am liebsten: Mit Tomatenstückchen, Zwiebeln, Knoblauch und ein wenig Speck, einfach herrlich. Dafür werden die Bohnen extra über Dampf al dente gegart, die Paradeiser enthäutet, kleingeschnitten und solange mit den Zwiebeln, dem Knoblauch und dem Speck gedünstet, bis der Saft fast ganz verkocht ist. Danach mischen noch mal ein paar Minuten zusammen garen und leicht würzen, fertig.




In letzter Zeit kam öfter Couscoussalat auf den Tisch. Einfach auch deswegen, weil die Zubereitung nicht viel Zeit erfordert und weil er so vielseitig ist. Hier kamen getrocknete Paradeiser dazu, ein anderesmal frische Cocktailtomaten. Zwiebeln, Pinienkerne, Rosinen, kleingeschnittene Paprika, frische Minze gehackt und Petersil, ganz klassisch, natürlich mariniert mit Zitronensaft und Olivenöl.




Mit den frischen Zutaten macht das kochen einfach viel mehr Freude. Man geht mit Messer und Schüssel in den Garten und hat dann die Qual der Wahl. Was mache ich zuerst? Was kommt in den Kühlschrank? In diesem Fall konnte ich nicht anders und bereitete einfach alles gleichzeitig zu. Am nächsten Tag Restlessen mit Variationen, auch wunderbar. Nur eines bleibt, egal woher die Zutaten kommen immer gleich und wenig lustbetont. Die Küche nach der Kochorgie zu säubern machte noch nie und auch nach solch einem schönen Tun keinen Spaß. Ich plädiere Küchenjungen zu mieten! Wäre eine Nische, berufstechnisch! Diese Arbeit könnte frau nicht genug delegieren, oder bin nur ich so gestrickt? Zwischendrin erledigen geht meist, aber eher dann, wenn nicht zu Vieles gleichzeitig fertig sein soll und der Hunger und Appetit zu den Tellern ruft. Dann ist erstmal genießen angesagt...

     

Sonntag, 31. Juli 2016

Ein Ausflug ins "Paradies"




Kennt ihr einen der erfolgreichsten Tomatenzüchter der Welt? Nein? Dann habe ich euch vielleicht ein wenig neugierig gemacht und ihr lest hier weiter. Es wird eine spannende Reise, das kann ich versprechen...

Ohne Paradeiser, wie wir hier im Osten Österreichs zu den Tomaten sagen, ist ein Gartensommer für mich nicht denkbar. Es gab natürlich immer wieder auch schwierige Pflegejahre, aber meist doch solche, in denen wir große Mengen dieser herrlichen Früchte ernten konnten. Da lag es nahe mich zu Weihnachten mit einer Genussführung bei Erich Stekovics, dem "Paradeiserpapst" Österreichs zu beschenken. Vor ein paar Tagen nun fuhr ich in den Seewinkel, einem abgelegenen Gebiet zwischen dem Neusiedlersee und der ungarischen Grenze. Klimatisch bestens geeignet für den Gemüseanbau. Mit Erich Stekovics und einer großen Gruppe Interessierter ging es auch bald hinaus auf die Felder. 


An die 3000 Sorten, weltweit gesucht (die Tomate ist so anpassungsfähig, dass sie sich auf allen Kontinenten etablieren konnte), werden hier gesammelt, ausgesät, geprüft, sortiert und weitergezüchtet, angebaut und entweder auf den Markt gebracht oder auch gleich weiterverarbeitet. 

Erich Stekovics führt uns durch die Felder und den Betrieb und er macht das mit viel Verve, Begeisterung und eine große Portion Schmäh, also mit durchaus hohem Unterhaltungswert, immer unterstützt von seiner Frau Prisca (übernächstes Foto). Die Stunden vergehen wie im Flug, der Magen füllt sich mit Paradeisern, so viel wie ich möchte kann ich gar nicht kosten, so viele verschiedene Sorten wachsen da Ranke an Ranke. Unerwartet die Vielfalt des Geschmacks. Ein sinnliches und geschmackliches Vergnügen.




Gleich zu Beginn werden Glaubensfragen beantwortet ohne dass wir gefragt hätten. Patsch, das sitzt. Schließlich meint jeder halbwegs erfolgreiche Tomatenfreund zu wissen was die Pflanzen brauchen. An erster Stelle sicher Unmengen Wasser, oder?! Da platzt auch schon die Bombe und wir werden aufgeklärt, woher diese faszinierende Pflanze kommt und wie sie von Natur aus wächst. Hitze und Trockenheit ist ihr bevorzugtes Lebenselixier. Gut, dass ihr Wärme schmeckt weiß man schon, aber kein Wasser??? Verwirrt schweigt die Zuhörerschaft und wird auf den Feldern Zeuge dieser in die Praxis umgesetzten Theorie.


Aufbinden und regelmäßig ausgeizen, auch diese überlieferten Maßnahmen ohne die es angeblich keine gute Ernte gäbe, werden gleich von Anfang an ins Land der Märchen und Mythen abgelegt und immer wieder mal wiederholt. Schließlich sind damit eingefleischte Lehrmeinungen über den berühmten Haufen geworfen und das innerhalb von Minuten. Nicht gießen, nicht ausgeizen, nicht aufbinden. Das funktioniert? Hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, ich hätte schwer gezweifelt. Bringt es der Gärtner fertig die Pflanze nicht einmal beim setzen einzugießen? Warum nur? 



Dann kommt der Satz, den ich liebe: "Lass der Pflanze ihre Art so zu sein wie sie eben ist und sie wird dich nicht enttäuschen". Erich Stekovics behauptet von Gemüse nichts zu verstehen, da er den Beruf des Landwirtes nicht studierte, er hätte einfach nur beobachtet und würde auf die Eigenarten der Pflanzen eingehen. Das fand ich schön und berührend.





Die Menge an Früchten, die da an den Pflanzen hängen sprechen für sich. Gemeinsam heben Erich und Prisca vorsichtig am Boden liegende Triebe etwas auf, um uns die vielen Früchte besser sichtbar zu machen. Jedesmal geht ein Raunen durch die Gruppe. Allgemeines Erstaunen. Bessere Argumente, als dies zu zeigen kann es nicht geben.


Die einzelnen Pflanzen bekommen viel Platz, natürlich Dünger (Pferdemist) und eine dicke Schicht Strohmulch, um die Feuchtigkeit abzuhalten und die Verdunstung des Regenwassers hinanzuhalten. 
Düngen dürfen wir also, das ist uns geblieben. Immerhin etwas. Andererseits sollte die Pflege von Paradeiserpflanzen auf diese Art viel viel einfacher werden. Kein gießen, kein binden, kein geizen. Also prinzipiell pflanzen und ernten? Klingt eigentlich sehr gut! 




Stellt sich mir nun die Frage, warum ich bisher doch eine ganz passable Paradeisermutter war. Und da muss ich auch gleich mal ein wenig schmunzeln. Ich bin nämlich eine faule Gießerin und überhaupt nie so richtig vom Gesetz des Ausgeizens überzeugt gewesen. Habe meist erst Ende Juli ein bisschen da und dort gezwickt, wenn die aufgebundenen Triebe so schwer wurden, dass sie den Stock fast umlegten. Ein bisschen Beobachtung und eingehen auf das Wesen der Pflanzen war also auch bei mir dabei, so wie bei jedem, der ein Wesen liebt, sei es Mensch, Tier oder eben eine Pflanze. 
Reich beschenkt mit neuem Wissen, gefülltem Bauch und gesättigten Sinnen trete ich den Heimweg an. Was für ein anregender und fruchtbarer Nachmittag da draußen in der pannonischen Steppe. Lustvoller kann man mit Sicherheit nicht lernen. Ein kleiner Blick ins Paradies? Im Land der Paradiesäpfel mit ihrer verschwenderischen Vielfalt von den Stauden naschen. Das hatte was, durchaus, durchaus...

Hier gehts zur Webseite und Infos. Bei Interesse rechtzeitig anmelden, die Führungen sind schnell ausgebucht. Für dieses Jahr ist es schon zu spät, für 2017 kann und sollte man sich allerdings schon ab November anmelden.


Zu früheren Beiträgen zum Thema Paradeiser in diesem Blog gehts hier. Mit Fotos aus meinem Garten.


 


Donnerstag, 28. Juli 2016

Meereswellen um Schultern

Ein kurzes Handarbeitsupdate zwischendurch, ich bin ins stricken gekippt. Ein Schultertuch aus Restln, das war der Plan. Das Tuch in Nullkommanix fertig und noch immer Lust an diesem Tun. Ein ärmelloses Oberteil und ein Pulli folgten, alles in den letzten paar Wochen. Wolle da, nicht zu knapp und weitere Projekte in Planung. Gartenarbeit, bloggen, fotografieren und stricken. Der Tag bräuchte um einiges mehr Stunden für all die Tätigkeiten die ich liebe. Zurzeit also besonders das stricken, was auch am Pool sitzend geht. 

Für ein sehr einfach zu strickendes Tuch braucht es nur rechte Maschen, das kann man bald, auch wenn man ungeübt ist. Man beginnt mit nur drei Maschen und dicken Nadeln (in diesem Fall waren es 7er, sicherheitshalber mittels einer Maschenprobe prüfen, ob es auch gefällt und die notwendige Maschenanzahl hochrechnen). Am Beginn jeder zweiten Reihe, also nur an einer Seite mittels eines Umschlages kontinuierlich zunehmen. So entsteht automatisch ein langezogenes Dreieck. Aufgehört wird, wenn die Länge passend erscheint, abmaschen und fertig ist das angenehm wärmende Stück für kühle Sommerabende. Ein Projekt zum entspannt nebenher stricken.
Nach einem Blick in meine Resteschachtel gewannen die Blau- und Weißtöne das Rennen -  wo die Wellen den Himmel berühren - das Verlaufsgarn kaufte ich dazu, ein Knäul davon reichte. 



Merinowolle ist wunderbar weich und wahrscheinlich am ehesten auf nackter Haut angenehm zu tragen. Hier ist auch noch ein Rest von einer dünnen weißen Alpaca/Seidenmischung mitgelaufen, solange der Vorrat hielt. Viel kreative Freude während des Strickens, eine Mischung aus Zufall und Absicht. Ein gutes Gefühl auch, dass wertvolles Material eine sinnvolle Verwendung gefunden hat. 



In meiner jungen Erwachsenenzeit galten Schultertücher irgendwie als antiquiert, die alten Mütterchen hatten welche. Haha, eben. Ich komme langsam in diese Gasse, aber mit einer frischen Neuinterpretation. Dieses "Kleidungsstück" ist einfach unglaublich praktisch, gut in der Handtasche zu verstauen und wirklich angenehm wärmend. 
Ein bisschen Meereswellen um meine Schultern, ahhhh, das tut gut, ich spüre sie! Noch ohne rotem Abendlicht, der Herbst kann noch warten...





Dienstag, 12. Juli 2016

Rosa mit orangem Kranz

500km nach Süden. Dort wo das Meer zu Wien nahe ist. Das Klima scheint an der oberen Adria oder vielleicht sogar in weiten Teilen Italiens gegenüber dem letzten Jahrhundert verändert. So viel Regen, wie dieses Frühjahr gab es da früher nicht. Der Mais steht dieses Jahr so hoch wie in regenreichen Jahren bei uns in Niederösterreich. Es ist schier unglaublich!


Artischocken am Ende jeder Reihe Wein, woanders auch Rosen natürlich. Aber dies hier sah ich so noch nie. Sieht hübsch aus!



Häuser mit kleinem Dachvorsprung, hölzerne Fensterläden, im Veneto so typisch, aber Bananenstauden davor? Neben den oft gesehenen Granatapfelsträuchern und Feigenbäumen da und dort, ja auch die. Macht gleich viel her, wir sind im Süden! Urlaubsstimmung, schon beim Durchfahren durch Dörfer. Dann wieder hohes blühendes Gras an den Straßenrändern, da sollte alles verbrannt und gelb sein im Juli, oder? So ist es abgespeichert. So anders dieses Jahr...




Wie auch bei uns dieses Frühjahr und Frühsommer: Überall Blütenfülle, das ist kaum zu toppen! Oleander biegen sich vor Üppigkeit, kaum etwas vom Laub zu sehen! Selbst an den Straßenrändern, wo die Stäucher sonst auch Blüten zeigen, aber eben oft verhalten, auch da ein Blütenmeer. 
Von dieser Sorte musste ein kleiner Trieb mit, ich hoffe er wurzelt an. Diese Sorte rosa mit einem orangen Kranz zur Mitte hin. Zum niederknien schön und auch noch duftend.



Es schüttet draußen, die Gewitterfront ist nun auch hier angekommen. Gute Chancen für weitere Beiträge, die rosa Sonnenhaut darf wieder Stoff tragen, bevorzugt lichten. Fotomaterial wie immer reichlich...

Montag, 27. Juni 2016

Bloggeburtstag auf vier Rädern

Und wieder ist er da - Frühsommer - and the living is easy. Pinkfarbene Rosen, deren kleine Blütenköpfe sich in Kaskaden zur Terrasse hinunterneigen, daneben ein großer Lavendel, tief violett blühend. Im Hintergrund die Bienenkästen und die sich im Wind bewegenden Blätter der Birken. Das sehe ich, wenn ich über den Bildschirm meines Computers aus dem Fenster blicke. Keine gute Zeit, um an Beiträgen zu basteln. Das Draußen lockt zu sehr (und mein PC ist da nicht hinauszubewegen). 
Gestern war Bloggeburtstag, der sechste also schon. Ich versuche nachzuvollziehen, wie es zum ersten Beitrag kam. Ist schon komisch, er spiegelt die Schwerpunkte auf *kleine freude* in keiner Weise, zeigt eher die ersten Schritte. Aus einer Lust und Laune heraus. Aus einer Sommer- und Reisefreude heraus. Tja, man sagt den Schützen nach, dass sie gerne reisen, die Freiheit lieben. Insofern passt dieser Beginn zu mir und meiner Lust auf Fluchten aus dem Alltäglichen.




Das allererste Posting auf *kleine freude* hier zum nachschauen, denn zum lesen gab es da noch nicht viel. 




Ich wollte mich nicht festlegen, keinen Schwerpunkt definieren, frei bleiben in dem, was hier zur Sprache kommt. Entwicklung zulassen und selbst dabei zusehen, wohin die Reise gehen würde, inhaltlich wie bildlich. Freude sollte es bringen, das motivierte.
Jetzt aber genug herumphilosophiert und gleich mal mit Auto weitergemacht. Meine Söhne überraschten mich bei meinem runden Geburtstag letzten Dezember mit einem gemeinsamen Ausflug, bei dem ich in einem Auto etwa meines Jahrgangs fahren würde! Vor ein paar Wochen war es dann soweit und wir hatten einen Riesenspaß!
Mit technisch begabten und ausgebildeten Jungs unterwegs zu sein brachte auch noch eine weitere Überraschung, die ich hier mit euch teilen möchte.

Birthday present for Mum

video 
 

Schön sind sie schon, die alten Autos, nach zweihundert Kilometern bedankte sich der Tank allerdings mit über sechzig Euro fürs auffüllen. Die übertrieben vielen PS brauchen ordentlich Saft. 

           Text zur Grafik weiter oben. Zu sehen im Karikaturmuseum Krems, Niederösterreich

Das Ende der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ist abzusehen, obwohl der Wechsel in die neue Ära viel langsamer abläuft, als ich gehofft hätte. In meiner Lebenszeit möchte ich leise und umweltfreundlich betriebene Autos noch erleben können! 

Mit knapp 700 Beiträgen sind inzwischen viele viele Fotos und Texte unter *kleine freude* abrufbar. Ohne euch Leserinnen und Leser und ohne eurem Feedback gäbe es diese Seite vielleicht gar nicht mehr. Es macht einfach mehr Sinn zu schreiben, wenn man weiß, dass Texte und Bilder auch gelesen und gesehen werden. Damit an dieser Stelle ein großes großes Dankeschön dafür, dass ihr immer wieder vorbeischaut und auch mal einen Kommentar hinterlässt! Ich mache inzwischen weiter, mal sehen wohin die Reise im siebten Jahr geht...


 


Mittwoch, 22. Juni 2016

Mädesüß und Flockenblume

Wanderung mit Lisbeth, einer befreundeten Kräuterpädagogin. Eine kleine Gruppe Interessierter macht sich auf, um Pflanzen auf eine neue Weise kennenzulernen und zu verknüpfen. Mir fallen die Waldkindergärten in Deutschland ein. Kinder verbringen den größten Teil des Tages im Freien, sie werden als Erwachsene einen anderen Zugang zur Natur haben. Wieder so eine Geschichte. Man geht durch die Wiesen und kennt vieles was da wächst nicht.

In vier Stunden verkosten wir wilden Lauch, Rotklee, Triebspitzen und junge Blätter von Linden (sooo lecker!), Beifuß, Spitzwegerich und einiges mehr. Wir nehmen Blätter und Blüten mit, für einen Topfen-Kräuteraufstrich (Kräuterquark) den wir im Anschluss gleich herstellen und genießen werden.



Die Gräser reichen uns bis zur Brust, dazwischen blühen gerade unzählige Wiesenblumen und Kräuter. Solche Wiesen gibt es nicht mehr viele, diese hier auch nur, weil sich in der Nähe Abnehmer für Heu solcher Art finden. Wie kann man sich mit Wildkräutern vertraut machen und ihren Wert erkennen, wenn Vielfalt nur mehr an wenigen Orten gegeben ist, frage ich mich.




Mädesüß (Filipendula ulmaria) also, sie dominierte die Wiesen. Eine hochaufragende Pflanze mit schwebenden Blütenrispen. Eine prominente Heilpflanze, jedenfalls damals, als Wirkstoffe noch nicht synthetisch zusammengestellt worden sind.
Das Mädesüß ist auch Namensgeber des Medikaments „Aspirin“. Lange Zeit wurde aus den Blütenknospen des Mädesüß Salicylsäure gewonnen, ein entzündungshemmender Wirkstoff, der heute synthetisch als Acetylsalicylsäure hergestellt wird. Der Markennamen „Aspirin“ setzt sich aus „A“ wie Acetyl und „spirin“ zusammen. „Spirin“ wurde abgeleitet von den Spiersträuchern (Spirea), denen das Mädesüß damals botanisch noch zugeordnet wurde.
Bei den keltischen Druiden wurde das Mädesüß als Duftpflanze genutzt, indem man seine Blüten auf den Fußboden streute. In England wird es Duftpotpourris zugesetzt. Es war angeblich auch die bevorzugte Aromapflanze von Königin Elisabeth I.
Das Mädesüß eignet sich mit seinem süßlich herben Geschmack zum Aromatisieren von Speisen und Getränken, vor allem in der französischen oder belgischen Küche findet es daher gerne Verwendung. Auch zum Würzen von Met wurde es früher verwendet.
Quelle: http://gesund.co.at/maedesuess-heilpflanzenlexikon

Neben all den Heilkräutern sticht plötzlich eine Rarität ins Auge, eine zarte kleine Orchidee, zum Glück sind wir nicht daraufgetrampelt.


Ein bisschen dasitzen und das Ganze wirken lassen. Eine klare Heiterkeit umgibt uns. Die Natur so verschwenderisch mit ihren Geschenken. Hier wird nicht gedüngt, gerade deswegen herrscht Gleichgewicht und Fülle. Alles was hierher passt kann hier wachsen, alles was genau diesen Boden mag findet genug Platz zwischen all den anderen Arten, findet seine Nische und kann einen vollen Zyklus durchlaufen. Wie selten das in dieser Gegend geworden ist!



Noch ein Beispiel: Die Kleine Braunelle (Prunella vulgaris) hat im Unterschied zum Mädesüß schon jeder gesehen. Sie wächst verbreitet auf Waldwegen und Wiesen.
Beinamen wie Gottheil oder die englischen Bezeichnungen Self-Heal und Allheal belegen, dass die Kleine Braunelle in früheren Zeiten auch in Europa als Heilpflanze geschätzt und sogar als eine Art Universalheilmittel gepriesen wurde. Volksheilkundlich wurde sie bei Entzündung und Geschwüren im Mund- und Rachenraum, bei Magen-Darmerkrankungen, zur Fiebersenkung und zur Wundheilung verwendet. Nach der Einführung chemischer Medikamente geriet sie – wie so viele pflanzliche Heilmittel – weitestgehend in Vergessenheit.
Quelle: http://www.wildkrautgarten.de/2014/08/04/die-kleine-braunelle-ein-vergessenes-allheilmittel



Wir sammeln nicht allzu viele verschiedene Pflanzen, schließlich wollen wir uns einiges merken und in unser Alltagsgedächtnis integrieren. Bei der Wiederholung tun sich schon breite Lücken auf, ach herje, das darf es doch nicht geben! Ich wiederhole und versuche mir einzuprägen...



Nun aber zum kulinarischen Teil.


Gemeinsam werden die gesammelten Kräuter verarbeitet, alles appetitlich angerichtet und dann unter dem Blätterdach einer Akazie verspeist. Wir sitzen da, genießen die abendliche Sonne und eine gewisse Nachdenklichkeit liegt in der Luft. Ein Tag ohne Handy ist für uns kaum mehr vorstellbar, hingegen in einer Wiese zu sitzen fühlt sich fast schon ein bisschen luxuriös an...



Mir scheint, es hat bei einigen Klick gemacht. Die anfängliche Scheu etwas einfach so von der Wiese zu pflücken und in den Mund zu stecken machte mehr und mehr Neugier Platz. Wie würde dieses oder jenes schmecken. Oh der wilde Lauch ist richtig scharf! Geht das überhaupt? Es ist ja nicht aus dem Supermarkt, nicht einmal aus dem Garten. Muss man da nicht höllisch aufpassen, um nicht an etwas Giftiges zu geraten, mit schlimmen Folgen oder so? Unsere engagierte Lehrerin probiert einen Pilz, sie leckt an der Schnittfläche, ahhs und ohhhs raunen durch die Gruppe. Aber siehe da: Man stirbt nicht so schnell. 



Mit ein paar Pflanzen bin ich vertraut geworden, ab nun werde ich sie immer erkennen. Ob das wichtig ist? Ich denke ja! Man achtet etwas viel mehr, wenn eine Beziehung aufgebaut werden konnte. 
Das süße Mädl und der flockige Junge hüpfen durch unsere Erinnerung, sie werden uns noch lange begleiten und hoffentlich viele Geschwister bekommen





Dienstag, 14. Juni 2016

Die schönsten...

...Bilder der letzten vier Wochen. In den Monaten Mai und Juni könnte ich den halben Tag in den Garten schauen. Einfach nur schauen, genießen, Düfte schnuppern und Entwicklungen antizipieren. Verheißung von Fülle und Schönheit verwirklicht sich manchmal innerhalb von nur wenigen Tagen. Und die Bilder ändern sich schnell. Farben harmonieren oder lassen unterschiedliche Schwerpunkte entstehen. Was sich an einem Tag zum sattsehen zeigte macht bald einem neuen Fokus Platz. Die Farben von gestern beginnen sich zu verändern oder bilden sich am Boden als flüchtiger Teppich ab, bevor der nächste Wind oder Regen die Erinnerung verblassen lässt.



Manche von euch kennen unseren Garten schon ein wenig und erkennen manche Sichten wieder. Doch gibt es jedes Jahr Überraschungen. Vorfreude auf den Blütenzauber eines bestimmten Lieblings erfüllt sich oft, aber genauso sicher muss ich mich beinahe jedes Jahr von einer liebgewonnenen Pflanze verabschieden, weil sie plötzlich nicht mehr mag, aus welchen Gründen auch immer. Seht nur auf die Ramblerrose rechts neben den Bienenkästen im Bildhintergrund. Vor vier Wochen sah sie noch halbwegs normal aus.
Umso größer die Freude, wenn vertraute Bilder wiederkehren und Pflanzen um die Wette wachsen und blühen, wie hier der Zierlauch unter dem immer größer werdenden und immer stärker schattenwerfenden Apfelbaum. 




Dem hängenden Maulbeerbaum schneide ich die Triebe mittlerweile jedes Frühjahr radikal zurück, so haben die Hostas und und Purpurglöckchen zu seinen Füßen genug Licht, um sich gut zu entwickeln. Inzwischen reichen die Wedel ja außerdem schon wieder fast bis zum Boden.




Nachdem vor zwei Jahren ein unkundiges Helferlein, auf dessen angebliche Sachkundigkeit ich blind vertraute, den Großteil der Katzenminze ausgerottet hatte und letztes Jahr große Lücken klafften, freute es mich doppelt, dass diese Staude nun wieder einen flächendeckenden Teppich unter den Rosen bildet.



Zwei Wochen später blühen die David Austin Rosen, dieses Jahr besonders schön! Graham Thomas, die dunkelgelbe und Lady Emma Hamilton, die tieforange niedrige englische Rose. Letztere mit einem unglaublich fruchtig süßen Duft. Im Bergland gingen oft schwere Gewitter mit Starkregen und Hagel herunter, wir hatten bisher Glück und wurden nur mit heftigen, meist kurzen Güssen versorgt, für die ich dankbar bin. Der Garten zeigt deutlich, dass das Nass von oben nicht gleichwertig zu ersetzen ist. Auch große Hitze wie in anderen Jahren auch schon im Mai und Juni fehlte bisher, die Rosenblüten behielten lange ihre Farbe, und strahlen frisch unter der Sonne wenn dann der Regen weitergezogen ist. Ein so abwechslungsreiches und angenehmes Frühlingswetter hatten wir schon viele Jahre nicht mehr.



Eine meiner Lieblingspfingstrosen, die Blüten sind so groß, dass meine Hand fast zweimal hineinpasst.

Mehr vom gleichen in Bildern. Sorry, es war einfach zu schön dieses Jahr! Die Graham Thomas schaffte ich im März nicht zur Gänze zurückzuschneiden. Der letzte Schnitt im Herbst diente nur dem Schutz gegen eine eventuelle Schneelast. Fünf große Stöcke nahmen das nicht übel und blühen nun schon seit mehreren Wochen üppig. 




Hier eine Blüte der Lady Emma Hamilton, Orange/gelb/rosa, ein Traum von einer Rose.




Im nächsten Bild wird das Sterben der Ramblerrose offenkundig. Ich wartete mehrere Wochen ab, sie verfiel immer mehr, sodass vorige Woche die Entscheidung leicht fiel. Von der Terasse geht der Blick schnurstracks zu diesem Gartenteil und ich wollte mir den sterbenden Riesen nicht länger anschauen. Wie es jetzt dort aussieht? Naja, die blaue "Türe" ist wieder "da", genauso wie Teile des Maschendrahtzauns, grrr (irgendwas ist ja immer).



Unsere zwei Bienenvölker sind fleißig, zu Pfingsten wurde das erste mal Honig geschleudert. Inzwischen dürfen sich zwei weitere Völker aus Ablegern entwickeln.


Der Wollziest beginnt aufzublühen, Leckerbissen für die Bienen vor ihrer Haustüre. Außerdem steuern die stets Fleißigen zurzeit die nahen Linden an der Ortstraße an. Bald blüht auch der Lavendel, das gibt ein Fest.




Die blaue Türe war von der Ramblerrose komplett verdeckt gewesen. Sie geht nirgendwo hin auf, ist am Zaun festgemacht und einfach nur so da. Vor vielen Jahren fand ich sie im Schuppen, besorgte Farbe und strich sie ohne irgendwelche Vorarbeiten an. Kaum etwas ist seither abgeblättert, ich mag den Blick zu ihr hinüber. Sie ankert und verspricht gleichzeitig Ausflüge in eine andere Welt. Man kann sie nicht öffnen und doch fliegen die Gedanken genau dort um die Ecke. Einmal blaue Tür und zurück. Ist ein Tag vergangen, eine Stunde, oder ein Monat? Fliegt die Zeit oder steht sie still? Ich fühle sie Kreise machen, große und kleine und manchmal drehe ich mich mit, einfach so, weil Freude zwischen den Farben tanzt und das Leben rundherum sich immer wieder verändern kann.



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